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Langzeitlebensversicherungen mit fast 50 % weniger Leistung

Lebensversicherungen sind ein Verlustgeschäft für die Versicherungskunden. Das ist bereits seit langem bekannt und ich habe auch bereits mehrfach darüber geschrieben. Doch bisher waren wenigstens noch die Altkunden mit Langzeitverträgen aus Zeiten höherer Zinsen auf der einigermaßen sicheren Seite. Doch auch das ist vorbei, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt.

#113303523 | © vadymvdrobot - Fotolia.com

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Nicht mal die Versicherungen selbst glauben noch dran

Verbraucherschützer und Experten warnen seit einiger Zeit vor dem Abschluss von Lebensversicherungen. Und auch ich bin schon lange der Meinung, dass diese zu teuer und zu undurchsichtig sind. Spätestens, seit die Garantiezinsen in den Keller gegangen sind, eignen sich Lebensversicherungen aus meiner Sicht nicht mehr zur Altersvorsorge.

Nachdem die Versicherungskonzerne und deren Vermittler über Jahrzehnte die Lebensversicherungen wie „geschnitten Brot“ angepriesen haben, werden die Erwartungen inzwischen schon seit vielen Jahren nicht mehr erfüllt. Lebensversicherungen sind ein Auslaufmodell – so viel ist sicher. Dieser Meinung sind inzwischen sogar viele der Anbieter selbst. Generali und Ergo bieten solche Produkte mit Garantiezins über die gesamte Vertragsdauer schon nicht mehr aktiv an. Und auch die Allianz als Branchenführer will solche Verträge „nicht mehr empfehlen“.

Heute wird bei Abschluss einer Lebensversicherung meist nur noch garantiert, dass das eingezahlte Kapital wieder ausgezahlt wird – allerdings abzüglich hoher Provisionen und Verwaltungskosten. Versprochen wird die renditestarke Anlage des Kundengeldes. Ob Sie dem glauben können und wollen, können Sie nur selbst entscheiden.

Wenn Sie heute allerdings mit einem Kunden sprechen, der einen Altvertrag mit deutlich höheren Zinsen abgeschlossen hat, wird der Sie vermutlich strikt davor warnen, den Beteuerungen der Versicherer zu glauben. Zu groß ist nämlich die Enttäuschung der treuen Langzeitkunden. Ob 30, 20 oder 12 Jahre Laufzeit: Teilweise erhalten die Versicherungskunden gerade mal knapp über 50 Prozent des bei Vertragsabschluss vorhergesagten Betrages ausgezahlt.

Zur Erläuterung: Bei einer Lebensversicherung sparen Sie nur einen Teil des Beitrags. Ein anderer Teil wird zum Risikoschutz verwendet, mit einem weiteren zahlen Sie anfallende Kosten. Gleichzeitig müssen Sie an den von der Versicherung erwirtschafteten Überschüssen beteiligt werden. Wie „hoch“ letztlich die beim Abschluss versprochenen Auszahlungssummen ausfallen, ist erschreckend. Dazu nachfolgend einige Beispiele aus einer Untersuchung der Stiftung Warentest vom Januar 2016. Unter die Lupe genommen wurden 92 Verträge von Versicherungskunden.

Veräppelte Kunden und falsche Hoffnungen

Ein Kunde der „Bayern Versicherung“ schloss 1989 einen Vertrag ab. Damals wurde ihm ein Gewinn von über 380.000 DM prognostiziert, rund 196.000 Euro. Seit 1994 nun sinkt die Prognose von Jahr zu Jahr. Die letzte Ankündigung lag nur noch bei schlappen 86.000 Euro. Das bedeutet bisher 44 % weniger Leistung in 31 Jahren. Die Versicherung läuft noch bis 2020 und das Ganze wird garantiert nicht besser werden. Am Ende erhält er möglicherweise noch nicht mal 50 % der anfangs versprochenen Summe.

Bei einer Kundin, die 1996 eine private Rentenversicherung abschloss, sieht es nicht besser aus. Der Versicherer „Neue Leben“ kündigte damals eine monatliche Rente von rund 1014 DM an, umgerechnet 518 Euro. Ende des Jahres wird sie in Rente gehen und dann nur noch maximal 266 Euro bekommen – etwas mehr als die Hälfte.

Auch nur noch die Hälfte des Erhofften wird eine Sparkassen-Kundin im Sommer 2017 an Rente erhalten. Denn bei ihrer Rentenversicherung gehen die Überschüsse gegen Null. Von einer möglichen künftigen Rente aus Überschussanteilen von 0,09 Euro und einer Rente aus Schlussüberschussanteilen von 4,77 Euro ist da die Rede. Das ist nicht viel mehr als die garantierte Rente – das Wort „Überschuss“ hat in dem Zusammenhang wirklich nichts zu suchen und klingt eher wie eine Verar…… als die seriöse Information einer Versicherung.

Dass sich diese Kundin veralbert vorkommen muss, liegt vor allem an den vollkommen überzogenen Überschussangaben der Sparkasse. So wurde ihr in einem Schreiben bei Vertragsabschluss mittgeteilt, dass die Überschussbeteiligung in den ersten Jahren deutlich geringer ausfallen würde als in den letzten Jahren der Vertragslaufzeit. In der Realität verlief das genau umgekehrt. Wenn das nicht mal ein totaler Schuss in den Ofen war.

An der Nase herumgeführt werden die Kunden auch mit den Formulierungen in den sogenannten Standmitteilungen, in denen die in Aussicht gestellte Leistung mitgeteilt wird. So hieß es in einer solchen Mitteilung der „Provinzial“ im Jahr 1991 an einen Kunden: „Ihr Versicherungsschutz und die Überschussbeteiligung Ihrer Lebensversicherung haben folgende Höhe erreicht“ – es folgte eine Summe über 150.000 DM (mehr als 77.000 Euro). Aus dieser Formulierung konnte der Kunde leicht schließen, dass es sich um eine endgültige Angabe handelt statt um eine vollkommen unverbindliche. Ob diese Irreführung beabsichtigt war, kann ich nicht beurteilen. Doch es wurde in Kauf genommen, dass der Kunde falsche Hoffnungen entwickelt hat, die später nicht erfüllt werden können. Denn raten Sie mal, was er als tatsächliche Leistung im Jahr 2015 bekam. Es waren rund 54.000 Euro – bzw. fast 23.000 Euro weniger als angekündigt.

Für die teilweise drastisch reduzierten Auszahlungsbeträge „entschuldigen“ sich die Versicherer immer wieder mit Hinweis auf die niedrigen Zinsen und darauf, dass sie dazu verpflichtet sind, Finanzpuffer aufzubauen – übrigens tun sie dies mit dem Geld der Versicherten. Die Gründe liegen aber mindestens genauso in der verfehlten Anlagepolitik der Versicherungen. Und die größte Sauerei sind die utopischen Prognosen und unrealistischen Versprechungen über Ablaufleistungen und Überschüsse.

8 Tipps zur Verbesserung Ihres Vertrages

Das können Sie tun, um den Versicherungsvertrag günstig zu beeinflussen:

  • Sind es nur noch wenige Jahre, bis der Vertrag ausläuft, lassen Sie sich nicht zur Kündigung drängen. So profitieren Sie noch vom Schlussüberschuss. Falls es eng wird mit der Beitragszahlung, entscheiden Sie sich besser, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
  • Bei einer Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht entscheiden Sie kurz vor dem Beginn der Auszahlung zwischen Kapital oder Rente. Wenn Sie nicht auf die monatliche Rentenauszahlung aus dem Vertrag angewiesen sind, weil Sie andere regelmäßige Einkünfte haben, wählen Sie besser die Kapitalauszahlung.
  • Entscheiden Sie sich für die Auszahlung einer lebenslangen Rente, empfehle ich die „steigende“ bzw. „dynamische“ Variante. Dadurch kann ein einmal erreichtes Rentenniveau nicht mehr gekürzt werden.
  • Sollte in Ihrem Vertrag eine sogenannte „Aufschuboption“ enthalten sein, können Sie die Auszahlung um einige Jahre nach vorn oder hinten schieben. Es kann sich durchaus lohnen, mit der Auszahlung bis zur Rente zu warten, weil sich das steuerlich günstiger für Sie auswirken kann.
  • Ist es Ihnen finanziell möglich, Ihre Beiträge jährlich statt monatlich zu zahlen, dann tun Sie dies und sorgen damit für eine deutlich steigende Ablaufleistung.
  • Wenn Ihr Vertrag noch unter zehn Jahre läuft, verzichten Sie auf dynamische Beiträge bzw. widersprechen Sie einer Erhöhung. Denn die Kosten fressen das Plus aus einer guten Verzinsung schnell wieder auf.
  • Prüfen Sie, ob Zusatzversicherungen wie der Unfalltod wirklich notwendig sind und kündigen Sie diese gegebenenfalls.
  • Prüfen Sie, ob Sie Ihren Vertrag ggf. widerrufen können. Dieses kann sich sehr schnell für Sie lohnen. Hier ist eine detaillierte Beschreibung: https://unabhaengiger-finanzberater.de/mehr-geld-fuer-versicherungskunden-bei-falschberatung/
Wichtig

Falls Sie nicht sicher sind, was zu tun ist, lassen Sie Ihre Verträge von einem unabhängigen Finanzberater/Honorarberater begutachten. Er sagt Ihnen, wie Sie sich am besten verhalten sollten.