auch-freiberufler-müssen-um-altersvorsorge-bangen

Auch Freiberufler müssen um Altersvorsorge bangen

Bestimmte freiberuflich tätige Berufsgruppen zahlen ihre Rentenbeiträge an sogenannte berufsständische Versorgungswerke statt an die gesetzliche Kasse. Bisher galt diese Altersvorsorge als sicher und es gab sogar zahlreiche Neider.

Doch auch die Versorgungswerke haben mit den Niedrigzinsen und anderen Problemen zu kämpfen.

#87976924 | © Ana Blazic Pavlovic - Fotolia.com

#87976924 | © Ana Blazic Pavlovic – Fotolia.com

Stabile Mitgliederzahlen und konservative Anlageformen

Vor über 80 Jahren wurde das erste Versorgungswerk gegründet – mittlerweile gibt es 89 davon mit über 950.000 Mitgliedern. Hier versammeln sich Freiberufler, um für ihr Rentenalter vorzusorgen. Insgesamt 140 Milliarden Euro verwalten die verschiedenen Versorgungswerke für ihre Mitglieder. Ausgezahlt wird eine Durchschnittsrente von etwa 2.000 Euro, die je nach Beruf und Versorgungswerk variiert. Damit liegt der ausgezahlte Rentenbetrag momentan fast doppelt über der durchschnittlichen Rente gesetzlich Versicherter. Grund dafür sind wohl vor allem die konservative Anlagepolitik und die stabilen Beitragseingänge.

Allgemein gehen die Versorgungswerke weiterhin von einer stabilen Mitgliederzahl aus, was natürlich für guten Beitragszufluss sorgt. Mit Stand 31.12.2014 setzen sich die Versorgungswerke hauptsächlich aus Ärzten, Rechtsanwälten, Architekten, Zahnärzten, Apothekern, Steuerberatern und Tierärzten zusammen. Hinzu kommen noch Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer sowie selbstständige Ingenieure und Psychotherapeuten.

Die Versorgungswerke legen das Geld ihrer Mitglieder – wie bereits erwähnt – eher konservativ an. Der größte Teil mit über 22 % fließt in Namensschuldverschreibungen, gefolgt von Aktien und nicht festverzinslichen Wertpapieren mit ca. 18,4 % und Schuldscheinforderungen und Inhaberschuldverschreibungen mit jeweils rund 18 %. Grundstücke und Immobilien sowie dazu gehörige Fonds haben einen Anteil von etwa 12 %. Zudem finden sich im gut gestreuten Portfolio der Versorgungswerke auch Anteile an Rohstoffen, High Yield Bonds (festverzinsliche Wertpapiere mit höheren Renditen und höheren Risiken) und verschiedene Beteiligungen.

Das sind allerdings nur Durchschnittszahlen. In der Praxis gibt es bei den Anlagepraktiken der Werke deutliche Unterschiede. Manche setzen zu 60 bis 65 % auf die als relativ sicher geltenden festverzinslichen Wertpapiere. Andere reizen die Immobilienquote von maximal 35 % voll aus, wieder andere bleiben mit 10 % wesentlich darunter. Ähnliches gilt für die Investition in Aktien – manche Versorgungswerke sind hier aktiver, andere weniger.

Probleme durch Überalterung, Niedrigzins und schrumpfende Reserven

Zu kämpfen haben die Versorgungswerke mit der zunehmenden Alterung ihrer Mitglieder. Bekanntermaßen werden die Deutschen immer älter – und Freiberufler leben sogar deutlich länger: Bis zum Jahr 2050 wird davon ausgegangen, dass deutsche Frauen zwischen 89,1 und 90,9 Jahre alt werden. Weiblichen Freiberuflern dagegen wird ein Durchschnittsalter von 92,9 Jahren vorausgesagt. Das allgemeine männliche Alter soll im Jahr 2050 zwischen 85,3 und 87,2 Jahren liegen. Männer, die freiberuflich arbeiten, schaffen im Durchschnitt sogar 90,2 Jahre.

Die Versorgungswerke mussten bereits im Jahr 2006 dem höheren Lebensalter ihrer Mitglieder von rund 4 Jahren Rechnung tragen und ihre Modelle anpassen. Damit der Kapitalbedarf weiter gedeckt werden konnte, wurde das Renteneintrittsalter stufenweise auf 67 Jahre angehoben.

Aber auch die niedrigen Zinsen sind es, die den Versorgungswerken zunehmend zu schaffen machen. So werden sich die hier Versicherten wohl in naher Zukunft mit Rentenkürzungen abfinden müssen, wenn sie vor dem 67. Lebensjahr in Pension gehen wollen. Auch die voraussichtlichen Renditen müssen von den Versorgungswerken immer niedriger kalkuliert werden. Wenn bisher die angepeilte Verzinsung bei durchschnittlich 4 % lag, werden viele Anbieter künftig weit darunter gehen müssen. Neumitgliedern werden oft jetzt schon Verträge mit unter 2 % angeboten.

Viele der Versorgungswerke haben noch mit einem Rechnungszins von 4 % kalkuliert, aber zum Großteil lediglich 3,5 % und in einigen Fällen sogar nur 2,5 % erwirtschaftet.

Das bedeutet unterm Strich ein Minus.

Wichtig ist aber ein ausreichendes Deckungskapital, damit die Renten weiterhin stabil gehalten werden können. Und hier gibt es teilweise größere Unterschiede zwischen den Werken. Während ältere Versorgungswerke auf eine Mischung aus Kapitaldeckung und Mitgliederbeiträgen zurückgreifen können, müssen die jüngeren Werke die laufenden Renten hauptsächlich aus den eingezahlten Umlagen finanzieren.

So gilt vor allem für die später gegründeten ostdeutschen Einrichtungen, grundsätzlich mit niedrigeren Zinsen zu operieren. Angeblich seien für deren Mitglieder noch keine Leistungskürzungen geplant, doch der einstige Schwung ist längst nicht mehr so dynamisch wie anfänglich prognostiziert. Bei den zahlreichen westdeutschen Werken soll vor allem im Hinblick auf die gesunkenen Rechnungszinsen ein gleitender Übergang geschaffen werden.

Hinzu kommt, dass die über Jahre aufgrund der Zinsschwankungen gebildeten Reserven bei manchen Versorgungswerken noch etwas über 10 Jahre reichen, bei anderen sind es allerdings nur noch einige wenige Jahre.

Nehmen Sie Ihre Investitionen selbst in die Hand

Doch selbst, wenn das Kapital gut angelegt ist, Vorräte vorhanden sind und es weitere Mitgliedszuwächse gibt: Die Niedrigzinsen werden über kurz oder lang auch den Versorgungswerken das Genick brechen. Wenn Sie also zu einer der Berufsgruppen gehören und sich eine sichere Altersvorsorge wünschen, lassen Sie sich dazu am besten von einem unabhängigen Honorarberater beraten. Denn nur, wenn Sie speziell für Ihre Situation und künftigen Bedürfnisse Ihr Geld investieren, werden Sie auf Dauer damit erfolgreich sein.

Verlassen Sie sich nur auf die Versorgungswerke, werden Sie bald mit weiteren Rentenkürzungen konfrontiert werden.

Dieser Schritt ist unvermeidbar

– denn schließlich kann nur das verteilt werden, was zuvor erwirtschaftet wurde. Geschieht nicht ein Wunder und die Zinsen steigen wieder deutlich an, kann ihre künftige Rente empfindlich niedriger ausfallen. Bei einer Zahnärztin erfolgte beispielsweise eine Kürzung um 16 %. Bei der angenommenen Durchschnittsrente von 2000 Euro wären das 320 Euro im Monat weniger.

Ein weiteres Manko ist, dass den Versorgungswerken bei ihren Investitionen Grenzen gesetzt werden. Die Bafin hat festgelegt, dass derartige Vorsorgeeinrichtungen nur in solche Fonds Geld anlegen dürfen, die zu höchstens 30 Prozent unverbriefte Darlehensforderungen beinhalten. Nun ermöglichen aber genau solche Anlagen in Niedrigzinsphasen höhere Renditen als einige festverzinsliche Anlagen. So fordern die Versorgungswerke, dass sie zu 100 % derartige Anteile erwerben dürfen – weiterhin erfolglos.

Wichtig

Wenn Sie selbst Herr oder Frau Ihrer Investitionen sind, bestimmen Sie selbst darüber, welche Geldanlagen Ihnen gute Renditen und eine sichere Altersvorsorge bieten. Sprechen Sie mit einem unabhängigen Finanzberater darüber, was er Ihnen in der derzeitigen Situation empfiehlt und verlassen Sie sich nicht alleine auf andere. Nehmen Sie Ihre Altersvorsorge – oder zumindest einen Teil davon – selbst in die Hand.