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Von wegen sichere Banken: Auch die Titanic galt als unsinkbar

Viele Deutsche bunkern nach wie vor ihr Geld auf Sparbuch oder Girokonto bei der Bank. Doch was viele nicht wissen: Viele deutsche Geldinstitute stehen auf sehr wackeligen Füßen – allen voran ihr „Schlachtschiff“, die Deutsche Bank. Die wenigen Banken, denen es gut geht, haben eine ganz eigene Strategie entwickelt und sind meist nicht für „Otto-Normalverbraucher geeignet.

Gefeit vor dem Untergang?

Die Bilanzsumme der Banken in Deutschland ist rückläufig. Betrug sie im Jahr 2008 noch rund 7,9 Billionen Euro, stieg 2011 auf ein Zwischenhoch von fast 8,5 Billionen Euro, rutschte sie im letzten Jahr auf 7,7 Billionen Euro. Hinsichtlich der künftigen Entwicklung zeigen sich die Verantwortlichen wenig optimistisch. Laut einer Umfrage, wie sie die operative Geschäftsentwicklung ihres Institutes für 2016 bzw. die kommenden zwölf Monate bewerten, gingen 40 % der Befragten von einer leichten Verschlechterung aus. Mit 39 % rechneten beinahe ebenso viele mit keiner Veränderung und 27 % stellen sich eine leichte Verbesserung vor.

Diese veröffentlichten Zahlen sind meiner Meinung nach sowieso mit Vorsicht zu genießen. Keiner der Banker wird offen sagen, wie marode der Zustand innerhalb seines Hauses wirklich ist. Denn wenn wir genauer hinter die Kulissen schauen, ist Ihr Geld – falls Sie tatsächlich immer noch an die „sicheren Banken“ glauben – alles andere als in Sicherheit.

Betrachten wir das Ganze einmal am Beispiel der Deutschen Bank: Zahlreiche Unternehmen vertrauen in Sachen Geschäftsbeziehungen auf sie und Millionen Bundesbürger haben ihre Ersparnisse dort gelagert. Vom größten deutschen Geldinstitut heißt es weltweit in Börsenkreisen, dass es niemals untergehen könne. Dazu ein kurzer Hinweis: Damals galt auch die Titanic als absolut unsinkbar – der Rest ist traurige Geschichte.

Wenn ein Körnchen Wahrheit zum Sandsturm wird

Denn tatsächlich ist ES passiert: Der Gigant ist ins Wanken geraten. Anfang dieses Jahres rührten sich erste Zweifel an der „Unsinkbarkeit“ der Deutschen Bank. So musste deren neuer Chef John Cryan plötzlich den Anlegern versichern, dass seine Bank „absolut grundsolide“ sei. Eifrig unterstützt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der dem Geldinstitut öffentlich sein Vertrauen aussprach. Zur Beruhigung nervöser Anleger kaufte die Bank sogar Anleihen für rund 5 Milliarden Euro zurück. Damit sollte Stärke demonstriert werden – gleichzeitig aber wurden dadurch hohe flüssige Geldmittel gebunden, was sicherlich auch den Verantwortlichen klar gewesen sein dürfte. Insofern war diese Machtdemonstration sicherlich kein kluger Schachzug.

Wenn die Banker sich dennoch für diesen nicht so klugen Schachzug entschieden haben, muss also was dran sein an den Gerüchten. Sicherlich, eine unmittelbare Bedrohung der Deutschen Bank war wohl nicht zu befürchten. Dennoch ist in jedem Gerücht in Körnchen Wahrheit zu finden. Klar ist, dass das Geldinstitut mit den anhaltenden Niedrigzinsen mehr als viele andere Banken zu kämpfen hat. Zu wenig haben die Verantwortlichen auf Neuentwicklungen gesetzt und den Wandel verschlafen: Die größten Knackpunkten dabei: das Investmentbanking der Deutschen Bank spült nicht mehr viel Geld in die Kassen, für endlose Rechtsfälle wird die Bank noch einige Milliarden hinblättern müssen und zudem hat sie zu hohe Personalkosten.

Trotz der 215 Milliarden Euro, welche die Deutsche Bank als Sicherheitspuffer in bar vorhält, wachsen Zweifel, ob das am Ende ausreichen wird. Dies auch im Hinblick auf strengere Vorschriften des Staates zur Kapitalausstattung, die ab 2019 gelten werden. So ist also ein erster Warnschuss gefallen oder – um im Bild zu bleiben – ein erstes Leck ins Schlachtschiff der deutschen Bankenarmada geschlagen worden. Und wenn das größte deutsche Kreditinstitut die Rettungsboote vielleicht schon heimlich flott macht, wie sieht es dann erst mit den anderen Banken und Sparkassen in Deutschland aus? Denken Sie ruhig mal etwas gründlicher über diese Frage nach. Schnell kann aus einem Körnchen Wahrheit ein echter Sandsturm werden. Sie sollten vorher handeln, sonst ist es zu spät – denn schließlich geht es um IHR Geld!

Bankenerfolg mit Digitalisierung, Spezialisierung und Platzhirsch-Effekt

Die meisten der hiesigen Geldinstitute erwirtschaften laut Berechnungen nur noch eine Eigenkapitalrendite von 2 %. Andererseits gibt es Banken, die wesentlich erfolgreicher sind. Das liegt in erster Linie daran, dass sie sich ihr ganz besonderes Geschäftsfeld geschaffen und sich spezialisiert haben. Dazu nachfolgend einige Beispiele:

  1. Die ING-Diba hat innerhalb von 10 Jahren ihr Geschäftsvolumen verdreifacht. In 2015 erzielte sie zudem einen Rekordgewinn von 1,1 Milliarden Euro. Wie sie das macht? Die ING-Diba verfügt weder über Handelssäle, wie das bei Investmentbanken der Fall ist noch über Schalter wie bei den Sparkassen. Es wird alles elektronisch abgewickelt, wie beispielsweise Tausende von Baufinanzierungsanträgen, die hier täglich eintrudeln. Die Bonität der Antragsteller wird weitgehend vom Computer überprüft – Digitalisierung heißt das „Zauberwort“. Gleichzeitig hat es die ING-Diba geschafft, die Einlagen ihrer Kunden zu 1 % einzusammeln, Kapital zu rund 2 % zu verleihen und mit effizienter Taktik aus der 1 % Differenz noch Gewinn rauszupressen.
  2. Die Apobank konzentriert sich auf Ärzte und Apotheker, wäre aber aufgrund von miserablen Investitionen fast gescheitert. Heute hat sie die Verluste von bis zu 1,7 Milliarden Euro locker weggesteckt und ihren Nettogewinn im Jahr 2014 um 15 % auf 54 Millionen Euro gesteigert. Die Rücklagen konnten auch gleich noch mit aufgestockt werden. Deutschlands größte Genossenschaftsbank hat sich spezialisiert auf bestimmte Berufsgruppen und rühmt sich damit, dass es nur bei 2 von 1000 Krediten einen Ausfall gibt. In ihrem Segment deckt die Apobank 60 % des Marktanteils ab. Ihr Vorteil ist, dass sie aufgrund ihrer großen Marktkenntnis und -erfahrung mehr Zinsen als andere verlangen kann.
  3. Weitere Nischenbanken sind beispielsweise die VR Bank Neumünster oder die Volksbank Wiesbaden. Sie haben es geschafft, aus ihrer regionalen Marktkenntnis ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln. Bei der BayernLB-Tochter DKB hat sich das Kreditkartengeschäft zur rentablen „Nische“ entwickelt. Andere wie die hessische Landesbank Helaba oder die Immobilienbank Aareal mit Sitz in Wiesbaden verdanken ihre starke Position als Platzhirsche u.a. auch dem Crash im Jahr 2008, bei dem einige Mitbewerber von der Bildfläche verschwanden und den Platz für sie geräumt haben.

Interessenskonflikte versus Unabhängigkeit

Was lernen wir daraus? Banken haben heutzutage letztlich nur echten Erfolg, wenn sie sich ein Alleinstellungsmerkmal zulegen – einen sogenannten  „unique selling proposition“ (USP). Das gilt übrigens für alle Branchen und Berufsgruppen. So habe ich mich als unabhängiger Finanzberater darauf spezialisiert, die finanzielle Lebensplanung meiner Kunden zu unterstützen. Das ist wesentlich mehr, als Ihnen die meisten deutschen Banken bieten können. Denn hier erhalten Sie nur eine mehr oder weniger unpersönliche Beratung und zwar immer mit gierigem Blick auf die Provision für den Bankberater. Das birgt die große Gefahr in sich, dass Ihnen nicht das für Sie beste Produkt angeboten wird, sondern das, was den Geldinstituten am meisten Gewinn bringt. Von der Unabhängigkeit eines Honorarberaters profitieren Sie u.a. dadurch, dass er aus allen möglichen Angeboten das Beste für Sie persönlich herauspickt.

Für Sie als Privatanleger bedeutet das vor allem eines: Wenn Sie nicht gerade eines der genannten Spezialgebiete der erfolgreicheren Banken für sich nutzen können, sollten Sie Ihr Geld keinem Geldinstitut anvertrauen. Denn deren „Beratung“ ist meiner Meinung nach immer auch von Interessenskonflikten begleitet und kann nie wirklich individuell und fair sein. Zudem erhalten Sie für Ihr angelegtes Geld kaum noch Zinsen und sicher ist es Ihr Erspartes dort schon lange nicht mehr. Ich erinnere nur nochmal daran: Auch die Titanic galt einmal als unsinkbar.

Übrigens: Zur Beratungs“qualität“ der deutschen Banken folgt in Kürze ein Bericht über einen Check von „Finanztest“. Und der ist – für mich wenig überraschend – katastrophal ausgefallen.