Überschussbeteiligungen im Sturzflug – Wie Versicherungen zurück“rudern“

Mit dem Abschluss einer Lebensversicherung wird den Kunden eine Absicherung fürs Alter versprochen. Doch die Versprechen werden oft nicht eingehalten und für die Betroffenen gibt’s ein böses Erwachen. Teilweise bis zu 50 % weniger als angekündigt werden ausgezahlt – das bringt viele in Sachen Altersvorsorge in arge Schwierigkeiten.

 

Disqualifikation für Lebensversicherungen

Wenn Sie einen Vertrag abschließen, gehen Sie davon aus, dass dieser von beiden Seiten eingehalten wird. Die enthaltenen Regelungen sollten dabei klar und eindeutig formuliert sein, so dass alle Beteiligten wissen, woran sie sind. Beim Abschluss einer Lebensversicherung funktioniert das allerdings so nicht.

Zwar sind die Versicherer per Gesetz dazu verpflichtet, Sie am Gewinn zu beteiligen. Dieser wird als Überschussbeteiligung bezeichnet. Doch auf welche Art er ausgezahlt und wie hoch er ausfallen wird, das entscheidet der jeweilige Vorstand der Versicherung. Es gibt natürlich auch garantierte Leistungen wie den sogenannten „Garantiezins“. Doch der sinkt im Jahr 2017 voraussichtlich unter die 1 % Grenze.

Und so bleiben den Lebensversicherern als „Lockvogel“ nur noch die Gewinnausschüttungen. Diese wiederum unterliegen jedoch den Schwankungen des Kapitalmarktes und können deshalb nicht garantiert werden. Laufen die Geschäfte schlecht, wie beispielsweise momentan durch die dauerhaft niedrigen Zinsen, guckt der Versicherungskunde in die Röhre.

Genau das ist meines Erachtens das größte Problem der Lebensversicherungen und disqualifiziert sie in meinen Augen als sinnvolle Altersvorsorge. Wenn Sie Ihre finanzielle Versorgung im Alter planen wollen, müssen Sie wissen, wie viel Geld Ihnen zur Verfügung steht. Sicherlich können Sie bei dieser Planung nicht alles berücksichtigen, was im Leben so passieren kann.

Doch wenn Sie nicht wissen, wie hoch die Überschussbeteiligung ausfallen wird und Sie zudem davon ausgehen müssen, dass sie von Jahr zu Jahr sinkt, dann frage ich Sie: Welchen Sinn macht eine solche Geldanlage?

 

Halbierte Gewinnausschüttung

Die Stiftung Warentest wollte es genau wissen, wie es mit den „variablen Zahlungen“ läuft. Sie hat sich über 90 Fälle von Kunden angeschaut – und zwar mit erschreckendem Ergebnis. Hier drei Beispiele:

1. Im Jahr 1991 schloss ein Kunde bei der „Provinzial“ eine Lebensversicherung mit Auszahlung in 2016 ab. Er freute sich auf angekündigte 150.000 DM. Erhalten hat er allerdings nur 54.500 Euro – knapp 23.000 Euro weniger als erhofft.
2. Eine Frau unterschrieb bei „Neue Leben“ im Jahr 1996 den Vertrag für eine private Rentenversicherung. Geplant war eine monatliche Rente von umgerechnet 518 Euro ab Dezember 2016. Laut aktuellen Zahlen werden es am Ende nur noch maximal 266 Euro sein – gerade mal die Hälfte der geplanten zusätzlichen Altersvorsorge.
3. Den Vogel schoss die „Bayern Versicherung“ ab. Sie versprach ihrem Kunden bei Unterzeichnung des Vertrages im Jahr 1989 eine Ausschüttung von umgerechnet 196.000 Euro im Jahr 2020. In ihrer letzten Ankündigung standen nur noch magere 86.000 zu Buche – Tendenz weiter fallend. Das sind jetzt schon 56 % weniger als versprochen!

 

Generali als Schlusslicht

So ist es keine Überraschung, wenn Jahr für Jahr die Überschussbeteiligungen gesenkt werden – Kürzungen von 0,25 bis 0,3 Prozentpunkten sind Normalität geworden. Dennoch war die Expertenwelt geschockt von der Verkündung der „Generali“. Diese hat nämlich ihre laufende Verzinsung um satte 0,65 Prozentpunkte nach unten gesenkt: von bisher 2,9 auf 2,25 %. Nur die Swiss Life ging noch rasanter nach unten – mit Minus 0,75 Prozentpunkten sank die Überschussbeteiligung hier ebenfalls auf 2,25 %.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während die Swiss Life bei der laufenden Verzinsung, dem Schlussüberschuss sowie dem Sockelbeitrag für die Bewertungsreserven nochmal 0,3 % drauf legt, bleibt die Generali hier knausrig. Bei ihr sind und bleiben die verkündeten 2,25 % die Gesamtverzinsung für 2016. Im Jahr 2015 war das noch anders. Da deklarierte die Generali zu den 2,9 % laufende Verzinsung noch zusätzliche 0,3 % Schlussüberschuss.

Warum der Versicherer so zurückhaltend ist und damit das Schlusslicht in Sachen ausgezahlte Überschussbeteiligung bildet, dazu äußert er sich nicht. Immerhin wies die Generali Ende 2014 runde 5,6 Milliarden Euro an Bewertungsreserven aus – das klingt nun wirklich nicht nach wenig. Zwar muss eine Sockelbeteiligung nicht deklariert werden, dennoch ist eine 50 %ige Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven bei Vertragsende verpflichtend. Daran sollte sich auch die Generali halten.

 

Kaufen Sie nicht die Katze im Sack

In meiner Tätigkeit als unabhängiger Finanzberater rate ich meinen Kunden grundsätzlich vom Abschluss einer Lebensversicherung ab. Die Ungewissheit der Überschussbeteiligungen ist – wie oben schon erwähnt – ein zu großer Unsicherheitsfaktor bei der finanziellen Planung. Hinzu kommt, dass Sie dadurch die verschiedenen kapitalbildenden Versicherungen überhaupt nicht miteinander vergleichen können und quasi die Katze im Sack kaufen müssen.

Zwar sind die Versicherer verpflichtet, realistische und nachvollziehbare Angebote zu erstellen. Doch das ist meines Erachtens reine Augenwischerei. Mich ärgert immer wieder aufs Neue, wie Privatanleger hinters Licht geführt werden. Denn der letztlich ausgezahlte Überschuss hängt u.a. vom Kalkulationsschema ab, das sehr unterschiedlich ausfallen kann und für den Kunden überaus undurchsichtig bleibt. So können die Versicherer entweder eher vorsichtig oder übertrieben optimistisch kalkulieren. Wie bitte sollen Sie das beurteilen und vergleichen?

Bevor Sie also irgendwelchen vagen Schätzungen aufsitzen – denn etwas anderes sind die Gewinnversprechungen bei Lebensversicherungen nicht – halten Sie sich lieber an sinnvollere Geldanlagen. Passive Fonds wie ETFs sind beispielsweise wesentlich rentabler, transparenter und fairer. Wenn Sie sich damit nicht auskennen, lassen Sie sich von einem guten Finanzberater, der unabhängig arbeitet, dazu beraten. Oder beschäftigen Sie sich mit der Thematik und werden Sie zum eigenen Experten für Ihre Finanzen.

Wofür Sie sich auch entscheiden – lassen Sie bitte unbedingt die Finger von Lebensversicherungen.

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