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Inflation – Äpfel mit Computern vergleichen

Haben Sie auch das Gefühl, dass das Leben immer teurer wird? Stimmt nicht! Laut dem statistischen Bundesamt gab es im August nur einen Anstieg um 0,2 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Und doch fühlt es sich im Alltag ganz anders an. Werden wir etwa belogen?

verkehrszeichen vorfahrt achten inflation I Datei: #77415332 | Urheber: WoGi @ fotolila.com

Was bedeutet Inflation und wie wird sie ermittelt?

Bis heute scheint es eine einheitliche Definition des Begriffes nicht zu geben. Ursprünglich bedeutete Inflation wohl eine Aufblähung der Geldmenge. Heute verstehen Wirtschaftswissenschaftler darunter im weitesten Sinne einen stetigen Anstieg des Preisniveaus oder anders ausgedrückt ein Sinken der Kaufkraft des Geldes. Für die Berechnung der Inflation sind allerdings nicht die steigenden Preise einzelner Güter interssant, sondern die Durchschnittspreise.

Die Inflationsrate für Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt über den sogenannten Verbraucherpreisindex. Dafür werden von den Statistikern fiktive Warenkörbe zusammengestellt. Dort hinein kommen die Dienstleistungen und Waren, die derzeit in Deutschland am häufigsten gekauft bzw. verbraucht werden. Aus den Teilergebnissen von zwölf einzelnen Warenkörben ergibt sich am Ende ein großer Warenkorb.

Bei der Ermittlung wird auf 700 verschiedene Güter- und Dienstleistungsgruppen zurückgegriffen und jeden Monat Stichproben in über 600 deutschen Gemeinden genommen.

Zur Berechnung zieht das Statistische Bundesamt seit Februar 2013 als Bezugsjahr 2010 heran. Die Zahlen aus diesem Jahr entsprechen 100 % und werden für die nächsten Jahre als Referenz benutzt. Ohnehin ist für die Ökonomen nicht die Höhe des Verbraucherpreises entscheidend, sondern dessen Veränderung – daraus ergibt sich die Inflationsrate. Diese hat große volkswirtschaftliche Bedeutung, da sie den wichtigsten Indikator für die Kaufkraftentwicklung darstellt.

Übrigens berechnen auch weitere Behörden in Deutschland die Inflationsrate. Dass die Ergebnisse der einzelnen Statistiken teilweise weit voneinander abweichen, hängt vor allem damit zusammen, dass unterschiedliche Gemeinden beim Vergleich herangezogen werden – in München ist es nun mal wesentlich teurer als in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Der Code zur Berechnung ist bei allen Behörden der gleiche.

Preistreiber und rückläufige Preise

lm Jahr 2013 verringerte sich der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland gegenüber den Vorjahren. Damit Sie ein ungefähres Gefühl für die Preisschwankungen bekommen, hier einige Beispiele aus dieser Zeit:

Preissteigerungen gab es z.B. bei

  • Äpfeln mit 14,9 %
  • Glücksspielen 14,3 %
  • Strom mit 11,9 %
  • Speisefetten mit 8,4 %
  • Obst mit 7,2 %
  • Gemüse mit 6,1 %.

Rückläufige Preise gab es u.a. hier:

  • Gesundheitssektor um 12,2 %
  • Finanzdienstleistungen um 9,7 %
  • Informationsverarbeitung 7,8 %
  • leichtem Heizöl um 6,0 %
  • Unterhaltungselektronik um 5,9 %.

Hieran können Sie ganz gut erkennen, dass die Preiserhöhungen und -senkungen sich einigermaßen die Waage halten. Und dennoch können Sie allerortens Klagen hören, dass alles teurer geworden ist – ob am Stammtisch oder in den Managermeetings. Woran liegt das denn nun?

Wieso fühlt sich das Leben so teuer an?

Zum einen geht das Statistische Bundesamt von Gütern „mittlerer Qualität“ aus. Wer allerdings stets hinter dem neuesten Trend her hetzt, der lebt teurer und befindet sich gleichzeitig außerhalb der Statistik. Geben Sie sich allerdings mit „veralteter“ Technik zufrieden – nach dem Motto: Hauptsache, es funktioniert – dann kommen Sie auch in den Genuss von stark sinkenden Preisen.

Eine weitere Schwachstelle des „Warenkorbs“ der Statistikbehörde ist, dass technische Weiterentwicklungen nur schwer bis gar nicht abgebildet werden können. Kostete ein Kleinwagen vor ein paar Jahren noch etwa 10.000 Euro, legen Sie heute für das gleiche Gefährt vielleicht schon 12.000 Euro auf den Tisch – das entspricht einer Teuerungsrate von 20 %. Dennoch ist der Wagen heutzutage schon nicht mehr der Gleiche: Er besitzt z.B. eine deutlich umfangreichere Ausstattung und ist wesentlich sparsamer.

Das alles bezieht das Statistische Bundesamt in seine Berechnungen mithilfe eines Korrekturfaktors ein. Auf diese Weise wird die Inflation kleiner gerechnet, als sie sich für viele von uns anfühlt.

Davon abgesehen, sind es meist die Dinge des täglichen Bedarfs wie beispielsweise Nahrungsmittel, die im Preis besonders anziehen – wie Kartoffeln mit 28,7 % oder Butter mit 16,1 %. Das nehmen wir natürlich viel deutlicher wahr als drastisch gesunkene Preise bei Fernsehern, Computern oder Stereoanlagen, die wir normalerweise nicht jedes Jahr neu kaufen. Das kehren wir dann unbewusst eher unter den Tisch, weil es uns nicht unmittelbar tagtäglich begegnet. Wenn’s dann auch noch jedesmal das neueste Smartphone sein muss, wird natürlich ein größeres Loch ins Portemonnaie gerissen. Auf diese Weise kommt die gefühlt hohe Preissteigerung zustande, die sich so in der Inflationsrate nicht widerspiegelt.

Der Euro ist nur Papiergeld

Auch wenn die Preise insgesamt in den letzten Jahren nur moderat angestiegen sind, ist es dennoch verständlich, dass viele das anders empfinden. Denn die Dinge des täglichen Bedarfs bestimmen nun mal unser Leben. Und so bleibt es eine Tatsache, dass wir für unser Geld nicht mehr dieselbe Menge an – nehmen wir sie nochmal als Beispiel her – Kartoffeln und Butter kaufen können wie noch vor ein paar Jahren.

Eine Entwertung Ihres Geldes findet also in Zukunft so oder so statt – egal, wie die Rechnung auf Papier auch aussehen mag.

Wichtig

Gehen wir beispielsweise von heutigen 100.000 Euro aus.


Wichtig

Bei einer Inflation von 3,5 % im Jahr werden Sie im Jahr 2045, also in 30 Jahren, 280.679,35 Euro benötigen, um auf dieselben 100.000 Euro von heute zu kommen.


Wichtig

Vom gleichen Inflationswert von 3,5 % ausgehend, entsprachen die 100.000 Euro vor 30 Jahren gerade mal 35.627,84 Euro.


„Die globale Kredit- und Geldarchitektur funktioniert nicht mehr“, warnt Thorsten Polleit, Chefökonom bei Degussa Goldhandel, in der „Wirtschaftswoche“. Er ist der Meinung, dass Investoren und langfristige Sparer vor der Geldentwertung auf der Hut sein sollten. Euro oder US-Dollar seien staatlich monopolisiertes und nicht einlösbares Papiergeld. Es werde aus dem Nichts geschaffen und könne schwerwiegende politische, ökonomische und soziale Probleme verursachen. Gemeint ist damit schlicht, dass es für den Euro keine staatlich garantierten Gegenwerte gibt.

Aus dem gleichen Grund rät der Investor Marc Faber bereits ein Jahr zuvor in der „Wirtschaftswoche“ zu Aktienkäufern. „Große Gewinne sind nicht drin, es geht darum, das Geld zu erhalten“, sagt er. „Ich würde es streuen, in etwa gleichgewichtet in Gold, Immobilien, Aktien und Unternehmensanleihen.“ Faber ist überzeugt davon, dass es heutzutage sogar eher ein Risiko sei, keine Aktien zu halten. Auch er geht von einer Geldentwertung aus: „Bargeld ist riskant, weil es in zehn Jahren weniger wert sein wird als heute. Staatsanleihen werden nur mit wertlosem Papiergeld zurückbezahlt“, betont er.

Ganz in diesem Sinne kann ich Ihnen nur raten, genau zu überlegen, wie Sie Ihr Geld anlegen.

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