Deutsches Sparverhalten: Nur paradox oder schon dumm?

Einerseits die Angst vor Altersarmut und andererseits keine Veränderung beim Geldanlegen – so sieht es in Deutschland in Sachen Altersvorsorge aus. Der Axa Deutschlandreport 2016 zum Thema Sparen brachte eine sich immer breiter machende Resignation an den Tag. Wir sehen uns die Sache genauer an und betrachten auch, welche Folgen das für die deutschen Sparer hat.

 

Resignation und Angst

Mal wieder müssen die Niedrigzinsen als Grund für ein Fehldenken in unseren Landen herhalten. Sicherlich ist das ein Problem. Allerdings ist Resignation im Zusammenhang mit der Altersvorsorge in meinen Augen das Schlimmste, was Sie tun können. Da sind ja noch die Sparer besser, die in blinder Panik beginnen, Immobilien zu kaufen, weil sie hoffen, damit ihre Altersvorsorge zu sichern. Dass diese Hoffnung weitgehend vergeblich ist, steht auf einem anderen Blatt. Dazu später mehr.

 

Schauen wir uns zuerst einmal einige Zahlen aus der o.g. Umfrage an. Die erschreckendste Erkenntnis zuerst:

55 % der berufstätigen Deutschen haben resigniert. Sie sind fest überzeugt davon, dass sich weitere Geldanlagen nicht mehr lohnen.

Drei von vier Befragten denken, dass die folgende Generation der Rentner schlechter dastehen wird als die jetzige. Von den deutschen Ruheständlern berichten 59 %, dass die Altersarmut ein Thema im eigenen Umfeld ist. Eine Verarmung im Alter befürchtet sogar jeder dritte Erwerbstätige. Die Angst geht um in Deutschland!

 

Für diejenigen, die sich um ihre Altersvorsorge kümmern, gehört die finanzielle Absicherung im Alter zu den drei wichtigsten Lebenszielen.  Dennoch hält die Mehrheit der Berufstätigen nur in 5 Bundesländern ihre Versorgung im Ruhestand für ausreichend – in Berlin, Bremen, Niedersachen, Nord-Rhein-Westfalen und Niedersachsen. Besonders große Befürchtungen in Sachen Altersvorsorge äußern die Menschen aus den östlichen Bundesländern. Hier wird laut dem Deutschlandreport auch seltener eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen. Wobei ich große Zweifel habe, dass dies die Situation der Menschen verbessern würde. Denn Riester, Rürup & Co. sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss – aber das ist ein anderes Thema …

 

Deutsche Sparer geraten in eine Sackgasse

Wie sieht es nun bei denjenigen aus, die noch nicht resigniert haben, sondern für ihr Alter finanziell vorsorgen wollen? Leider auch nicht so toll, wie ich finde. Denn eine sehr hohe Zahl der Befragten will ihr Geld in Immobilien investieren. Ein regelrechter Run auf Eigentumswohnungen und Häusern hat eingesetzt. Laut der Studie wollen 18 % eine eigengenutzte Immobilie und 16 % eine vermietete Immobilie erwerben. Insgesamt 34 % – das klingt erst einmal nicht viel. Doch wie Sie gleich noch sehen werden, hat das verheerende Auswirkungen für diejenigen, die über Vermietung ihre finanzielle Lebensplanung sichern wollen.

 

Auf Spareinlagen, betriebliche Altersvorsorge oder private Renten- und Lebensversicherungen vertraut – Gott sei Dank, sage ich da – nur noch jeder Zehnte der deutschen Berufstätigen. Bei den Erwerbstätigen halten 50 % eine Sparrate von unter 200 Euro im Monat zur Absicherung des Lebensstandards im Alter für ausreichend. Jeder Fünfte geht sogar davon aus, dass 100 Euro monatlich ausreichen. Nur jeder Sechste hält mehr als 300 Euro im Monat für notwendig, um auch im Alter den gewohnten Lebensstandard halten zu können.

 

Ansonsten ist bei den deutschen Sparwilligen auch Gold schlecht angesehen und auf dem Schlusslicht der geplanten Geldanlagen rangieren mal wieder die Aktien. Das finde ich sehr bedauerlich, weil ich denke, dass viele sich damit um echte Renditechancen bringen. Als unabhängiger Finanzberater merke ich täglich, dass die Menschen nach wie vor Angst für den Risiken an der Börse haben. Wenn ich sie dann aufkläre und ihnen zeige, wie sinnvoll und chancenreich sie mit Aktien ihr Kapital vermehren können, sind sie überrascht und begeistert.

 

Dagegen rate ich von Immobilien als einzige Geldanlage klar und deutlich ab. Wenn Sie Ihr Geld hier festlegen, kann Ihr Traumhaus schnell zum Albtraum werden. Denn auf Hausbesitzer lauern, wie im verlinkten Beitrag beschrieben, zahlreiche Kostenfallen.

 

Außerdem hat die Befragung folgendes Problem aufgezeigt: Kauft sich jeder, der dies geplant hat, eine Immobilie, käme es zu einer Verdreifachung der Vermieter in Deutschland. Dann wird es immer schwerer, ausreichend zahlungsfähige Mieter für die erworbenen Objekte zu finden. Das ergab auch eine Studie im Auftrag der Postbank. Diese kam zum Ergebnis, dass die deutsche Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2030 in nur 12 von 36 Großstädten weiter wachsen wird. So drohen leerstehende Häuser – und fehlende Mieteinnahmen können nun mal die Rentenlücke nicht schließen. Ihre Altersvorsorge allein auf Immobilien aufzubauen, wird Sie also auf jeden Fall in eine Sackgasse führen.

 

Wie stellen sich Berufstätige und Rentner den Ruhestand vor?

Da gibt es auffallende Ähnlichkeiten, auch das wurde in der Studie geklärt.

Zu den Freuden des Rentnerdaseins zählen beide Gruppen gleichermaßen, dass man

  • machen kann, was man will

  • mehr Zeit zur Verfügung hat

  • sich nicht mehr beweisen muss

  • viel verreisen kann.

 

Aber auch die Befürchtungen ähneln sich stark.

Sie lauten:

  • Erkrankungen

  • Rentenkürzungen

  • Stabilitätsverlust des Landes

  • Verarmung.

 

Im Übrigen haben bei den Erwerbstätigen und Ruheständlern jeweils 71 % das Vertrauen in die Politik in Sachen Altersvorsorge verloren. Dennoch gibt es auch einen Unterschied: Bei den noch in Lohn und Brot stehenden Deutschen erwarten 91 % eine schlechtere Lebensqualität in der Rente. Von den Ruheständlern dagegen glaubt jeder Vierte, dass die nächste Rentnergeneration eine höhere Lebensqualität haben wird.

 

Seien Sie schlauer als die Mehrzahl der Deutschen

Schaut man sich die Freuden und Ängste so an, hängt alles letztlich zum Großteil mit Finanzen zusammen. Denn verreisen und andere Unternehmungen im Ruhestand kosten Geld. Auch die Gesunderhaltung und noch mehr die Behandlung von Krankheiten können die kleine Rente und das angesparte Kapital erheblich schmälern. Auch die Angst vor Rentenkürzungen oder Verarmung stehen eng im Zusammenhang mit der eigenen finanziellen Situation.

 

Worauf ich hinaus möchte: Lassen Sie sich nicht lähmen von den vermeintlich schlechten Aussichten. Konzentrieren Sie sich lieber auf die Freuden des Alters und vor allem: Tun Sie das Richtige, um ausreichend finanziell vorzusorgen! Die Politiker werden Ihnen dabei nicht helfen und auch ansonsten müssen Sie genau aufpassen, von wem Sie sich beraten lassen. Ein vertrauenswürdiger Finanzberater arbeitet unabhängig und ist breit aufgestellt in Sachen Geldanlagen.

 

Um auf die Frage in der Überschrift zurückzukommen, ob das deutsche Sparverhalten nur paradox oder schon dumm ist: Zu resignieren und das Sparen gleich ganz einzustellen, während man gleichzeitig ängstlich in die Zukunft blickt und befürchtet, im Alter nicht mehr ausreichend Geld zur Verfügung zu haben – das halte ich nicht nur für paradox, sondern – so leid es mir tut – sogar für ziemlich dumm. Seien Sie schlauer als die Mehrheit der Deutschen und tun Sie selbst etwas für Ihre Altersvorsorge.

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