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Bei Minuszinsen blasen die deutschen Sparer zum Bankenangriff

Wussten Sie, dass unsere Banken Strafgebühren an die Europäische Zentralbank zahlen müssen? Die Geldinstitute sprechen nicht gerne darüber und haben gute Gründe, diese Kosten nicht umgehend oder höchstens sehr versteckt an ihre Kunden weiterzugeben. Denn sie haben Angst vor einer Kapitalflucht des „gemeinen Sparers“ – und das völlig zu Recht, wie eine Studie nun zeigt.

Das Ausland lacht über den „deutschen Anlage-Trottel“

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der anderen Notenbanken hat die Geldanlage auf Sparbuch & Co. vollkommen unrentabel gemacht. Nichtsdestotrotz klammern sich immer noch viele deutsche Sparer an diese althergebrachte Methode. Das hat den Deutschen seit dem Jahre 2010 bisher 260 Milliarden Euro Verluste eingebracht. Dennoch bleiben sie eisern weiter dabei – immer noch liegen rund 40 % des deutschen Privatvermögens bzw. etwa 2 Billionen Euro auf den Banken. Und „dank“ des EZB-Chefs Mario Draghi wird das Vermögen der deutschen Sparer auf beispiellose Art und Weise vernichtet. Das gilt auch für die einst so viel gepriesenen und sicheren Vorsorgemodelle fürs Alter: Aufgrund der EZB-Politik stehen zum Beispiel die guten alten Lebensversicherungen vor dem Aus.

Obwohl die Bankkunden keine oder nur enorm mickrige Zinsen erhalten, werden sie dennoch einfach nicht schlauer. Laut einer Umfrage im Jahr 2014 wollen fast 80 % der Befragten ihr Sparverhalten beibehalten – und das trotz der niedrigen Zinsen. Dabei übersehen sie, dass bei einer Null-Rendite plus einer Inflationsrate, die über Null liegt, am Ende ein Minus herauskommt. Gerade mal jeder siebte gesparte Euro wirft bei der momentanen Zinslage überhaupt noch Gewinn ab. So werden die Deutschen trotz emsigen Sparens immer ärmer. Wissen Sie, wie man uns im Ausland nennt: „Stupid German Saver“ – der deutsche Anlage-Trottel.

Die deutschen Banker sind weniger dumm und wissen, dass die Deutschen Verluste hassen. So gleichen sie die Strafzinsen für ihre überschüssige Liquidität auf geschickte Weise aus und sprechen nicht offen über Minuszinsen – denn so schlau sind selbst die hartnäckigsten Sparbuchinhaber und wissen: Minus bedeutet Verlust. Deshalb geben die Geldinstitute ihre Kosten in den Bankgebühren an die Kunden weiter. Das schlucken die Deutschen widerspruchslos – wie praktisch. Dass dabei Kontoführungsgebühren von über 1 % herauskommen können, scheint niemanden zu stören.

Wie gesagt: Die Banker sind schlaue Menschen und wissen genau, wie sie mit dem deutschen Sparer umgehen müssen. So lassen sie die Bankgebühren verdeckt und unauffällig weiter steigen und holen so die gezahlten EZB-Strafzahlungen wieder rein. Oder anders ausgedrückt: Letztlich zahlen die Bankkunden die Strafgebühren und wissen es gar nicht. Dass sie dabei auch gleichzeitig Minus machen, haben sie offensichtlich auch noch nicht herausgefunden. Ganz ehrlich: Die o.g. Bezeichnung der deutschen Sparer hat leider etwas für sich.

Das Prinzip der deutschen Sparer

Etwas „Gutes“ könnte das Ganze am Ende doch noch haben. Denn die hemmungslose Minuszinspolitik Draghis könnte den deutschen Sparer aus seiner Lethargie und Glutgläubigkeit reißen.

Eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes GfK im Auftrag der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch brachte es an den Tag: Sobald die Banken flächendeckende Negativzinsen auf Sparbüchern, Tagesgeld- oder Girokonto einführen, werden die Deutschen in Aktion treten. Die meisten würden nämlich die Bank stürmen und ihr Geld unverzüglich vom Konto abheben. Einen Teil ihres Ersparten würden sie unters Kopfkissen legen oder im Tresor verwahren, einen anderen Teil in Aktien, Fonds und Gold investieren. Halleluja!

Schlimm genug, dass die Deutschen so ein Ereignis benötigen, um endlich in die Puschen zu kommen und obwohl es immer noch jeder zehnte Deutsche hinnehmen würde, dass man ihm sein gutes Geld abnimmt: Immerhin würde dann endlich mal ein vernünftigeres Sparverhalten Einzug in den deutschen Haushalten nehmen – wenn auch der Grund dafür für mich nach bockigem Kleinkind klingt: „Negativzinsen werden von Privatpersonen offensichtlich nicht toleriert“, sagte der Initiator der Umfrage Bert Flossbach und Chef der o.g. Vermögensverwaltung auf welt-online. „Die Bank dafür zu bezahlen, dass man ihr die Ersparnisse überlässt, dürfte für viele Deutsche eine unüberwindbare psychologische Hürde darstellen.“

Es geht wohl ums Prinzip – na ja, auch gut. Laut der Umfrage würde jeder zweite Deutsche Bargeld abheben und sein Geld so unterbringen:

  • 40 % wollen einen Teil ihres Kapitals in Aktien, Gold oder Fonds anlegen.
  • 50 % würden das Bargeld unterm Kopfkissen oder im Tresor bunkern.
  • 44 % wollen umschichten und sich eine neue Bank suchen.
  • 13 % des Geldes wollen die Deutschen ausgeben.

Bei der Studie hat sich gezeigt, dass vor allem ärmere Menschen ihr Erspartes zu Hause bunkern würden. Von den Sparern, die weniger als 5000 Euro auf dem Konto haben, würden zwei Drittel so handeln. Die vermögenderen Bundesbürger würden eher auf Umschichten und andere Geldanlagen wie Aktien und Fonds setzen.

Es drohen höhere Bankgebühren und Bargeldverbot

Für die Banken wäre das Szenario der auf Geldautomaten und Bankschalter anstürmenden Deutschen natürlich fatal. Für Vermögensverwalter Flossbach ist es deshalb eher unwahrscheinlich, dass sich die Geldinstitute wagen, das Wort Negativzinsen offen auszusprechen. „Die Einführung von Negativzinsen hätte weitreichende Folgen für die Banken: Bankwechsel und Bargeldabhebungen würden zu einem Einlagenschwund führen“, sagt er.

Man könnte fast ein wenig Mitleid haben mit den Banken, wegen des Zwiespaltes, in dem sie sich befinden: Da lauert auf der einen Seite die EZB und verlangt aktuell einen Strafzins von 0,4 % für überschüssige Liquiditäten, die bei der Notenbank untergebracht sind. Auf der anderen Seite wedeln bereits die deutschen Sparer drohend mit ihrer Geldkarte, um sofort ihr Bares vom Konto zu nehmen, wenn das Wort Minuszins fällt.

Die Lösung für die Banken lautet allerdings momentan, ihre Gebühren weiter zu erhöhen und ihre Kunden weiterhin für dumm zu verkaufen – und schon ist das Mitleid wieder verschwunden … Ansonsten gibt es laut der Studie angeblich nur eine Möglichkeit, den Negativzins flächendeckend einzuführen. Flossbach dazu: „Wegen der hohen Bereitschaft der Bevölkerung, bei allgemeinen Negativzinsen ins Bargeld zu flüchten, bestünde die einzige Option, Negativzinsen in Deutschland flächendeckend durchzusetzen, in der Einführung eines Bargeldverbots.“ Bezüglich Abschaffung des Bargelds sollten Sie sich mal Gedanken machen hinsichtlich Freiheitsverlust und Datenschutz.

Davon abgesehen rate ich als unabhängiger Honorarberater meinen Kunden immer wieder, ihr Geld nicht nur auf Sparbuch & Co. zu parken. Das wird angesichts der genannten Fakten immer dringlicher. Natürlich können Sie ein Teil Ihres Kapitals, das Sie für einen schnellen Zugriff benötigen, auf dem Girokonto belassen. Doch wenn Sie wirklich Geld ansparen und vor allem vermehren wollen, ist es wichtig, auf andere Investitionen zu setzen – Aktien in Form von ETF’s sind beispielsweise eine hervorragende Alternative. Lassen Sie sich von einem guten Finanzberater diesbezüglich unterstützen und sorgen Sie dafür, dass Sie im Alter finanziell gut abgesichert sind.